Kaputt? Spannend! Die Kita wird zur Reparierwerkstatt

Kinder konstruieren und gestalten gemeinsam mit Werkzeugen und Materialien.

Ein Rad ist ab. Für den einen ist das Spielzeug damit erledigt, für mich beginnt an dieser Stelle eine interessante Frage: Was hält das Rad eigentlich fest? Als Erzieher und MINT-Botschafter mag ich solche alltäglichen Anlässe. Als Vater finde ich außerdem den Gedanken sympathisch, dass nicht jede kleine Panne automatisch eine neue Bestellung auslösen muss.

Eine Reparierwerkstatt in der Kita muss kein perfekt ausgestatteter Raum sein. Ich würde mit einem Tisch, wenigen ausgewählten Materialien und einem überschaubaren Vorhaben anfangen. Entscheidend ist für mich, dass Kinder selbst untersuchen und mitentscheiden können. Wenn Erwachsene alles reparieren und Kinder daneben applaudieren dürfen, ist es eher eine Vorführung.

Zuerst klären: Was ist hier eigentlich kaputt?

Ein geeignetes Startprojekt könnte ein eingerissener Bilderbuchumschlag oder eine beschädigte Pappkonstruktion sein. Ich schaue mit den Kindern: Welche Stelle hält nicht mehr? Wie wurde das ursprünglich verbunden? Welche Lösung könnten wir ausprobieren? Zeichnungen und Fotos des Gegenstands helfen, Ideen miteinander zu vergleichen.

Ich würde nicht sofort den stärksten Kleber auf den Tisch stellen. Vielleicht wünschen sich die Kinder eine Verstärkung, eine neue Verbindung oder einen ganz anderen Aufbau. Ein Reparaturversuch darf Fragen aufwerfen. Dass Klebeband vielseitig ist, wissen wir Erwachsenen ohnehin. Ob es wirklich jede pädagogische Herausforderung löst, wäre eine andere Untersuchung.

Sorgfältig auswählen, sicher begleiten

Bevor Kinder loslegen, prüfe ich Gegenstand, Werkzeuge und Materialien. Glasbruch, scharfe Kanten, unbekannte Inhaltsstoffe, lose Magnete, Batterien und elektrische Geräte gehören nicht ungeprüft auf den Werkstatttisch. Netzgeräte, Akkus und sicherheitsrelevante Gegenstände würde ich Fachleuten überlassen. Auch ein repariertes Spielzeug muss vor der weiteren Nutzung auf Sicherheit geprüft werden.

Ich wähle Aufgaben nach Fähigkeiten und Interessen und begleite den Werkzeugeinsatz passend. Manche Kinder möchten schrauben, andere halten, zeichnen oder Verbindungen vergleichen. Beteiligung bedeutet für mich, unterschiedliche Zugänge anzubieten. Niemand muss eine Zange bedienen, um eine wertvolle Idee beizutragen.

Nachhaltigkeit braucht eigene Entscheidungen

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist für mich mehr als die Botschaft „Wirf nichts weg“. Gemeinsam kann ich mit Kindern überlegen: Lässt sich etwas reparieren? Können wir es anders nutzen? Fehlt uns Wissen oder Material? Manchmal ist eine Reparatur nicht möglich oder nicht sinnvoll. Auch das darf ein ehrliches Ergebnis sein.

Die Stiftung Kinder forschen führt ihre BNE-Angebote 2026 fort und behandelt dabei unter anderem nachhaltigen Spielzeugkonsum. Meine Werkstattidee greift diesen Zusammenhang praktisch auf: Kinder erleben, dass Dinge hergestellt wurden, aus Materialien bestehen und verändert werden können. Eine kleine Entscheidung am Tisch öffnet den Blick auf größere Zusammenhänge.

Eltern können Wissen mitbringen

Ich könnte mir einen gemeinsamen Werkstattnachmittag vorstellen, bei dem Eltern oder andere Bezugspersonen eigene Fähigkeiten einbringen. Dabei würde ich vorher Aufgaben und Verantwortung klären: Die Erwachsenen unterstützen, die Kinder behalten ihre Fragen und Handlungsmöglichkeiten. Nicht jede Familie kann Zeit oder Werkzeug beisteuern; das darf keine Voraussetzung für die Teilnahme sein.

Zum Schluss würde ich mit den Kindern festhalten: Was war unser Plan? Was hat gehalten? Was versuchen wir nächstes Mal anders? Für mich liegt darin der besondere Wert: Ein Gegenstand ist vielleicht wieder brauchbar. Die Kinder haben zugleich erlebt, dass ihr Denken etwas verändern kann.

Wer solche Vorhaben in den Kita-Alltag holen möchte, findet bei unseren Forschungstagen und im Makerspace weitere Anknüpfungspunkte.


Quelle und Bezug: Stiftung Kinder forschen: Bildung für nachhaltige Entwicklung, Angebote 2026. Fachlicher Bezug: BNE und nachhaltiger Spielzeugkonsum; das Werkstattkonzept ist meine eigene Praxisanregung.