Warum schwimmt das? Wie Forschen Kinder ins Sprechen bringt

Gemeinsames Forschen und sprachlicher Austausch in der Kita

Als Vater und Erzieher habe ich einen gewissen Respekt vor dem Wort „Warum?“. Es ist kurz, passt in jede Alltagssituation und kann Erwachsene erstaunlich schnell an ihre Wissensgrenzen bringen. Als MINT-Botschafter finde ich genau das spannend: Eine Kinderfrage muss nicht sofort mit einer fertigen Erklärung zugedeckt werden. Sie kann der Anfang einer gemeinsamen Untersuchung sein.

Für mich gehören Forschen und Sprache deshalb eng zusammen. Wer etwas beobachtet, möchte es zeigen, vergleichen oder erklären. Das geht mit Worten, aber auch mit Blicken, Gesten und Zeichnungen. Eine neue Expertise im Auftrag der Stiftung Kinder forschen nimmt 2026 diese Verbindung von MINT und Sprachbildung in den Blick. Für meine Praxis heißt das: Ich plane Gesprächsraum gleich mit ein.

Eine Schüssel Wasser reicht für den Anfang

Mein Vorschlag für einen kleinen Forschungstag: eine flache Wasserschale, ein Handtuch und einige ausreichend große, sichere Gegenstände. Ein Holzklotz, ein Metalllöffel und ein Stück Kork können spannende Unterschiede sichtbar machen. Ich begleite die Kinder dabei und achte auf Material und Aufsicht. Bevor etwas ins Wasser kommt, frage ich: „Was vermutest du?“

Danach lasse ich Zeit. Ich möchte keine schnelle Abfolge aus Erwachsenenfrage und richtiger Kinderantwort. Mich interessiert, was das Kind tatsächlich gesehen hat: „Zeig mir, was passiert ist.“ Oder: „Was möchtest du als Nächstes ausprobieren?“ Wenn ein Kind nur auf den Boden der Schale zeigt, kann ich anbieten: „Der Löffel liegt jetzt unten.“ So bekommt eine Beobachtung Worte, ohne dass ich das Kind zum Nachsprechen auffordere.

Weniger abfragen, mehr gemeinsam denken

Ich versuche, meine Fragen nicht wie Konfetti über den Tisch zu werfen. Auch die schönste offene Frage braucht eine Pause. Manchmal ist ein beschreibender Satz hilfreicher: „Dein Korkstück bleibt oben, auch wenn du es umdrehst.“ Daraus kann ein nächster Versuch entstehen. Und wenn eine Vermutung nicht passt, ist das für mich kein Fehlerprotokoll, sondern eine neue Spur.

Bei mehrsprachigen Kindern möchte ich alle verfügbaren Ausdrucksmöglichkeiten willkommen heißen. Ein Begriff aus der Familiensprache, eine Zeichnung oder ein vorgemachter Versuch kann den gemeinsamen Denkprozess tragen. Die deutsche Bezeichnung ergänze ich im Zusammenhang. Forschungsteilnahme darf für mich nicht davon abhängen, wer schon besonders ausführlich erzählen kann.

Die Entdeckung bleibt länger als die Pfütze

Zum Abschluss würde ich mit den Kindern zwei oder drei Beobachtungen festhalten: als Zeichnung, mit Gegenständen auf einem Sortiertablett oder als kurzer, gemeinsam formulierter Satz. Die Frage „Was wollen wir morgen noch herausfinden?“ hält das Projekt offen. Für Fachkräfte ist außerdem interessant: Wem habe ich heute wirklich zugehört, und wessen Idee ging im Trubel unter?

Als Vater ist mir wichtig, dass aus Neugier keine kleine Prüfung wird. Als Pädagoge möchte ich trotzdem genau hinschauen und Begriffe anbieten. Beides passt zusammen, wenn ich Kindern Zeit zum Denken gebe. Die Wasserschale muss am Ende nicht ordentlich aussehen. Der Dialog sollte allerdings mehr enthalten haben als „Vorsicht, das wird nass.“

Wer solche Gesprächsanlässe gemeinsam im Team entwickeln möchte, findet bei unseren Forschungstagen in der Kita einen passenden Ausgangspunkt.


Quelle und Bezug: Stiftung Kinder forschen: MINT macht Kinder sprachstark (26.03.2026). Fachlicher Bezug: Verbindung von Sprach- und MINT-Bildung; die Praxisanregungen sind meine eigene Ausgestaltung.