Vom Zuschauen zum Selbermachen: Medienprojekte für kleine Entdecker

Eine gestaltete Modelllandschaft als Kulisse für einen Trickfilm.

Wenn ich über Medienbildung spreche, möchte ich zuerst wissen: Was können die Kinder hier selbst gestalten? Ein eingeschaltetes Tablet beantwortet diese Frage noch nicht. Als Vater interessiert mich, wie viel Raum für Spiel, Bewegung und Begegnung bleibt. In meiner medienpädagogischen Arbeit möchte ich digitale Werkzeuge so einsetzen, dass eine eigene Idee damit weiterkommt.

Dafür braucht eine Kita weder ein Filmstudio noch eine beeindruckende Gerätesammlung. Ein vorhandenes, geeignetes Aufnahmegerät oder ein von Erwachsenen vorbereitetes Tablet kann reichen. Ich beginne lieber mit einer überschaubaren Frage als mit einem ganzen Bildschirm voller Möglichkeiten. Wer schon einmal versehentlich zwanzig Tonspuren gleichzeitig abgespielt hat, ahnt den Vorteil.

Eine Geräuschejagd ohne Bilder

Mein erster Vorschlag: Wir suchen Geräusche, die wir selbst erzeugen können. Wie klingt Papier, wenn es langsam geknüllt wird? Wie klingt Regen, den Finger auf einem Karton nachmachen? Ich würde Kinder verschiedene Geräusche ausprobieren lassen und kurze Aufnahmen gemeinsam anhören. Vor jeder Aufnahme kläre ich, wer oder was zu hören sein soll; zufällige Gespräche nehme ich nicht nebenbei auf.

Danach können Kinder Geräusche zuordnen, verändern oder für eine Geschichte auswählen. Auch ein Kind, das wenig sprechen möchte, kann eine wichtige Klangidee beisteuern. Mich interessiert dabei die gemeinsame Entscheidung: Welches Geräusch passt für uns zu dieser Stelle und warum?

Ein Hörspiel darf sehr klein anfangen

Aus drei Bildern oder selbst gestalteten Figuren kann eine kurze Geschichte entstehen. Ich würde sie zuerst spielen lassen und erst anschließend die Aufnahme anbieten. Ein Kind spricht, ein anderes erzeugt Geräusche, ein drittes zeigt an, wann es losgeht. Rollen dürfen wechseln. Wer seine Stimme nicht aufnehmen lassen möchte, bekommt eine andere Beteiligungsmöglichkeit.

Ich achte darauf, dass die technische Bedienung nicht den gesamten Prozess übernimmt. Die Kinder sollen ihre Aufnahme anhören und entscheiden können: Gefällt uns das? Fehlt etwas? Muss wirklich jeder Versprecher weg? Manchmal macht gerade eine kleine Pause die Geschichte lebendig. Perfekte Radiostimmen sind kein Bildungsziel.

Ein Gegenstand lernt laufen

Für einen ersten Trickfilm würde ich eine einfache Kulisse und eine gut erkennbare Figur wählen. Das Gerät steht stabil. Die Kinder verschieben die Figur in kleinen Schritten und machen jeweils ein Bild. Beim Abspielen wird sichtbar, wie aus einzelnen Fotos Bewegung entsteht. Schon wenige Sekunden können genug Stoff zum Staunen und Weiterdenken bieten.

Hier lässt sich hervorragend untersuchen: Was passiert bei größeren Schritten? Warum springt die Figur plötzlich? Ich erkläre das Verfahren in kleinen Portionen und passe die Begleitung an die Gruppe an. Geduld, Absprachen und der Blick auf Veränderungen gehören genauso zum Projekt wie das fertige Video.

Gemeinsam anschauen heißt noch nicht veröffentlichen

Aufnahmen bleiben bei solchen Vorhaben zunächst im vereinbarten pädagogischen Rahmen. Bevor etwas gespeichert, weitergegeben oder veröffentlicht wird, müssen die erforderlichen Freigaben und die Regeln der Einrichtung geklärt sein. Ich würde für ein erstes Projekt möglichst ohne erkennbare Kinder arbeiten und benötigte Apps vorher prüfen. Werbung, fremde Inhalte und unnötige Online-Verbindungen möchte ich während der Arbeit vermeiden.

Dass aktive Medienpädagogik ein Entwicklungsthema für Einrichtungen bleibt, zeigt auch das DRK-Programm KitaTandemDigital. Für mich liegt der Maßstab trotzdem im konkreten Moment: Konnten Kinder eigene Entscheidungen treffen, etwas ausprobieren und sich darüber austauschen? Dann hat das Gerät einen sinnvollen Platz gefunden. Anschließend darf es wieder ins Regal.

Weitere Ideen für kreative Medienarbeit entwickeln wir gemeinsam in unserer Beratung für Kitas und Teams.


Quelle und Bezug: DRK Wohlfahrt: KitaTandemDigital. Fachlicher Bezug: Entwicklung von Medienpädagogik in Kitas; die drei Projektideen sind meine eigene praktische Ausgestaltung.