KI in der Kita: Was dem Team hilft – und wo ich selbst denken muss

Fachkräfte entwickeln und präsentieren gemeinsam Ideen am Whiteboard.

Ich mag Werkzeuge, die Arbeit erleichtern. Das gilt für einen gut passenden Schraubendreher genauso wie für digitale Anwendungen. Bei künstlicher Intelligenz werde ich allerdings hellhörig, sobald aus „unterstützen“ plötzlich „übernehmen“ wird. Ein schön formulierter Absatz kennt schließlich noch kein Kind.

Als Erzieher mit medienpädagogischer Zusatzqualifikation und als Vater schaue ich auf zwei Dinge: Gewinnt das Team tatsächlich Zeit? Und kommt diese Zeit der pädagogischen Arbeit zugute? Dass KI inzwischen auch in Kita-Leitung und Verwaltung diskutiert wird, zeigt das Fortbildungsprogramm 2026 des Verbands katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern. Für mich ist das ein Anlass, konkrete Aufgaben statt großer Zukunftsversprechen anzuschauen.

Mit einer kleinen, klaren Aufgabe anfangen

Einen ersten Versuch würde ich bei einer allgemeinen Vorbereitung machen: „Formuliere eine freundliche Einladung zu einem Elternabend über kreativen Medieneinsatz. Kurze Sätze, keine Fachsprache, maximal 150 Wörter.“ Dafür braucht die Anwendung weder Kindernamen noch Familiengeschichten. Anschließend prüfe ich Ton, Verständlichkeit und Inhalt und ergänze die tatsächlichen Angaben.

Auch bei Projektideen kann KI einen Entwurf liefern. Ich könnte mir verschiedene Einstiege zum Thema Schatten vorschlagen lassen. Ob die Ideen zu Raum, Material, Alter und Interessen der Gruppe passen, entscheide ich selbst. Eine Liste mit zwanzig Experimenten ist noch keine pädagogische Planung. Manchmal ist sie vor allem eine sehr lange Einkaufsliste.

Kinder sind keine Eingabefelder

Für meine Arbeit ziehe ich eine klare Grenze: Personenbezogene Beobachtungen, Fotos, Entwicklungsberichte und Informationen zu familiären Belastungen gebe ich nicht in frei verfügbare KI-Dienste ein. Einfach einen Namen durch „Kind A“ zu ersetzen, reicht mir nicht. Auch eine Kombination aus Alter, Einrichtung und besonderer Lebenssituation kann eine Person erkennbar machen.

Wenn eine Einrichtung weitergehende Anwendungen einsetzen möchte, müssen Träger und zuständige Datenschutzverantwortliche die konkreten Bedingungen prüfen. Ich würde zuerst klären, wozu das Werkzeug gebraucht wird, welche Daten verarbeitet werden und welche Nutzung überhaupt freigegeben ist. Bis das geklärt ist, bleibe ich bei Aufgaben ohne vertrauliche Informationen.

Flüssig geschrieben heißt nicht fachlich richtig

KI kann Erklärungen und Quellen liefern, die überzeugend aussehen und trotzdem falsch sind. Deshalb prüfe ich Sachbehauptungen an verlässlichen Originalquellen. Bei pädagogischen Vorschlägen frage ich zusätzlich: Welches Bild vom Kind steckt darin? Werden Unterschiede berücksichtigt? Darf ein Kind widersprechen oder aussteigen?

Meine Perspektive als Kinderschutzfachkraft ist dabei besonders eindeutig: Die Einschätzung einer möglichen Gefährdung und die dafür vorgesehenen fachlichen Verfahren lassen sich nicht an einen Chatbot delegieren. Ein System trägt keine Beziehung und keine professionelle Verantwortung. Auch ein Entwicklungsbericht wird durch geschmeidige Formulierungen nicht automatisch genauer.

Eine Teamvereinbarung schlägt zehn Einzelversuche

Ich würde mit dem Team zunächst eine erlaubte Aufgabe testen und Erfahrungen sammeln: Was mussten wir korrigieren? Wie viel Zeit hat es wirklich gespart? Welche Fragen blieben offen? Daraus kann eine kurze Vereinbarung entstehen, welche Werkzeuge für welche Aufgaben genutzt werden dürfen und wer Ergebnisse prüft.

Als Vater wünsche ich mir Fachkräfte, die aufmerksam auf mein Kind schauen. Als Referent möchte ich Teams von unnötiger Schreibarbeit entlasten. KI kann dafür ein Werkzeug sein, wenn Ziel und Grenzen klar sind. Den entscheidenden Satz möchte ich weiterhin selbst verantworten können: So sehe ich dieses Kind – und deshalb handle ich jetzt so.

Wer digitale Werkzeuge und pädagogische Haltung gemeinsam betrachten möchte, findet bei unserer Beratung und Prozessbegleitung Raum für diese Fragen.


Quelle und Bezug: Verband katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern: Fortbildungsprogramm 2026. Aktueller Bezug: KI in Kita-Praxis und Verwaltung; die Einordnung und Beispiele stammen von mir.